
| Viktor Bisquolm / Mitglied ASO-Deutschland | ||
| Der Künstler mit dem besonderen Draht zu Kindern |
Viktor Bisquolms Augen strahlen, wenn er von den Besuchen der Kinder in seinem Atelier in Belzig erzählt. Von den Kindergärtlern bis zum Praktikanten, von den Sonderschülern bis zu den Gymnasiasten – er kommt mit ihnen einfach gut aus.
Vor sechs Jahren kam der gebürtige Disentiser Maler, Grafiker und Bildhauer aus dem fernen Australien, wo er fünfzehn Jahre gelebt hatte, nach Deutschland. Ein Inserat gab den Anstoss, um in den hohen Fläming, eine sanft wellige Landschaft rund siebzig Kilometer südlich von Berlin, zu ziehen. Man suchte dort nach der Wende Künstler, um die vom Aussterben bedrohten Flämingdörfer zu beleben.
Er arbeite nur mit Kindern, er leite keine «gewöhnlichen» Workshops, antwortete er auf die Anfrage einer Frau, die gerne bei ihm Mal-Unterricht haben wollte. Er liess sich jedoch überreden, und aus dieser Mal-Gruppe heraus entstand sein Engagement für Aids-Waisenkinder im Süden Afrikas. Die Maler-Gruppe, die sich regelmässig zum Arbeiten trifft, hatte beschlossen, alle Einnahmen aus dem Verkauf ihrer Werke Kindern in Afrika zukommen zu lassen. Der Verein «Kunst für Kinder in Not» wurde gegründet. Als genug Geld vorhanden war, reiste der 58-jährige Künstler im vergangenen November höchst persönlich ins Dorf Ngomo in Swasiland, wo achtzig Prozent aller Kinder Aids-Waisen sind. Viele von ihnen tragen das Virus ebenfalls in sich.
Nachdem die Reisegruppe sich selbst ein Bild verschafft hatte, was die Kinder wirklich brauchen, wurde eingekauft. Nebst Schulmaterial, Wassertank und WC-Häuschen kaufte man hundert Paar Schuhe. Die Kinder staunten nicht schlecht über das seltsame Gefährt, in dem Bisquolm sass.
Seit 41 Jahren ist Bisquolm querschnittgelähmt. Ein Unfall bei einem Skirennen und unsachgemässer Transport waren die Ursachen. Eine richtige Ausbildung für den Paraplegiker, der mit vierzehn Geschwistern aufgewachsen ist, war nicht möglich. «Die Bahn transportierte mich damals im gleichen Waggon wie das Vieh!» Für den ehemaligen Skirennfahrer wurde der Rollstuhlsport wichtig. Er sammelte auf nationaler wie internationaler Ebene Medaillen in verschiedenen Disziplinen wie Schnellfahren oder Schiessen.
Und die Kunst? Alles begann 1978 mit einem Bauernmalerei-Kurs noch in der Schweiz. Naive Malerei folgte. In Australien dann hatte er die Gelegenheit, drei Jahre lang die Kunsthochschule von Victoria zu besuchen. Heute arbeitet Viktor Bisquolm mit Acryl, Holz- und Linolschnitt, kreiert aber auch Skulpturen aus Bronze oder Stein. Mit spitzbübischem Lächeln verrät er: «Wenn ich mich zu einem Bildhauer-Workshop anmelde, verrate ich nie, dass ich im Rollstuhl sitze. Man würde mich sonst ablehnen.»